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Basel, 22. Februar 2006
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Die Schmidlin AG Fassadentechnologie, 100%-ige Tochtergesellschaft der Schmidlin AG Fassaden (beide in Aesch BL), Herstellerin von High-tech-Fassaden, hat heute Konkurs angemeldet. Während die Produktion sofort eingestellt wird, kann das Joint Venture Schmidlin LLC (Abu Dhabi) fortgeführt werden. Damit wird sichergestellt, dass einzelne laufende Grossprojekte weiter betreut werden. Schmidlin LLC UAE befindet derzeit in Verhandlungen mit den verantwortlichen technischen Mitarbeitern der Schmidlin AG Fassadentechnologie mit dem Ziel, eine eine neue Gesellschaft zu gründen. Damit soll die Fortführung der technischen Dienstleistungen und Entwicklungen sowie Produktlieferungen für Grossbritannien und andere Märkte sichergestellt werden. Vom Konkurs ebenfalls nicht unmittelbar erfasst wird die Holding-Gesellschaft, die Schmidlin AG Fassaden.
Der zuständige Bezirksgerichtspräsident hat den Konkurs eröffnet und mit der Durchführung das Konkursamt Arlesheim beauftragt. Aufgrund der finanziellen Situation des Unternehmens können die Februar-Gehälter nicht mehr ausbezahlt werden. Es besteht kein Sozialplan. Die Mitarbeitenden in Aesch erhalten jedoch für den Monat Februar eine Insolvenzentschädigung ausbezahlt und werden noch vor Ort durch Mitarbeiter des Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit KIGA als Arbeitslose registriert. Das Unternehmen beschäftigt am Hauptsitz in Aesch/Basel sowie in den Tochtergesellschaften in London, Paris, Berlin, Würzburg, Abu Dhabi, Dubai, Singapore und Shanghai rund 747 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 390 in Aesch. Davon sind 168 Mitarbeitende mit Wohnsitz in der Nordschweiz, 188 im Elsass und 34 in der badischen Nachbarschaft.
Die Schmidlin-Gruppe ist in einem stark risikobehafteten Geschäftsumfeld tätig. Die vom Fassadenbauer betreuten Projekte haben Prototyp-Charakter mit den entsprechenden technischen, finanziellen, vertraglichen und organisatorischen Herausforderungen. Zu den Besonderheiten des High-End Fassadengeschäfts gehört, dass es weltweit nur wenige, dafür jeweils sehr grosse solche Projekte in einer Preisbandbreite von etwa 10 bis 100 Millionen Franken gibt. Dieser Umstand gestaltet die Kapazitätsplanung und das Fix-kosten-Management äusserst schwierig. Mit einer eigenen Produktion in der Schweiz waren zudem die Herstellungskosten höher als bei der ausländischen Konkurrenz. Schmidlin ist derzeit bei 32 Fassadenprojekten engagiert.
Die Schmidlin-Gruppe hat in den vergangenen zehn Jahren keine nachhaltige Profitabilität erzielt, und das Unternehmen schreibt seit 2003 massiv rote Zahlen. Trotzdem wurde nichts unversucht gelassen, das Unternehmen in eine gesicherte Zukunft zu führen. Schmidlin hat weltweit die Technologieführerschaft im High-End-Bereich des modernen Element-Fassendenbaus inne. Zu den bekanntesten Bauwerken, die dank dem speziellen Design-Know-how der Aescher Gruppe realisiert werden konnten, zählen das 7-Stern-Hotel Burj al Arab in Dubai und der Swiss Re Tower in London.
Aufgrund dieser an sich guten Ausgangslage wurden seit 1997 insgesamt vier Sanierungen und Restrukturierungen vorgenommen, die letzte im Sommer 2005. Bei diesen Sanierungen ging es immer wieder darum, die Schmidlin-Gruppe vor dem Hintergrund einer sich laufend verändernden Ausgangslage (Markt, Projekte, Kunden) auf eine solide Basis für eine nachhaltige Entwicklung (intakte Bilanz, ausreichende Liquidität, Strukturen, optimierte Prozesse, Management) zu stellen. Gleichzeitig wurde versucht, die Gruppe an einen strategischen Investor zu veräussern.
Die Restrukturierungen wurden von der Credit Suisse, der UBS und der Beteiligungsgesellschaft Niantic Trading Amsterdam BV mit Krediten, Garantien, Eigenkapital und Aktionärsdarlehen von rund 100 Millionen Franken finanziert. Diese hatten die Holding-Gesellschaft der jetzt konkursiten Firma 1998 im Rahmen einer Sanierung übernommen, um den Fortbestand der Schmidlin-Gruppe und damit qualifizierte Arbeitsplätze und ein technologisch hochentwickeltes sowie stark exportorientiertes Schweizer Unternehmen dauerhaft zu sichern.
Zum Konkurs führten jetzt erneute Verluste bei Grossprojekten sowie Kalkulationsfehler, welche erst bei der Einführung eines neuen Buchführungsverfahrens erkannt wurden. Bei zwei Projekten musste ein unerwarteter Verlust von 13 Millionen Franken festgestellt werden. Zudem hat sich die Konkurrenzsituation im Markt deutlich verschärft. Aufgrund des hohen Margendrucks wurde es zunehmend schwierig, risikogerechte Preise durchzusetzen. Die bisherigen Geldgeber waren denn auch nicht mehr bereit, eine erneute Sanierungsrunde zu starten. Schmidlin ist überschuldet und verfügt über keine liquiden Mittel mehr.
Aufgrund der Auftragslage vor allem im Mittleren Osten und einem neuen Investor wird die Schmidlin LLC UAE (Abu Dhabi) weitergeführt. Das Unternehmen hat nebst anderen Projekten auch den Zuschlag für den Bau der Fassade des höchsten Gebäudes der Welt erhalten, den Burj Dubai, der sich zurzeit im Bau befindet.
Die Holding-Gesellschaft, die Schmidlin AG Fassaden, ist vom Konkurs der Schmidlin AG Fassadentechnologie nicht direkt erfasst und die Lage wird in den nächsten Tagen neu beurteilt.
Quelle: http://www.messmerpartner.com/de/news
Stand: 31.03.2009